Die katholische Pfarrkirche St. Maximinus zu Rommersheim
Patrozinium: St. Maximinus (29. Mai)
Nebenpatrozinium: St. Hubertus und St. Sebastianus
Diözese Trier
1. Lage und Baugeschichte
Seit der Mitte des 11. Jahrhunderts liegt die Pfarrkirche, gleichsam als ruhendes Zentrum des Geschehens und ungeachtet des vielfältigen Treibens weltlicher Abläufe, an dieser Stelle auf dem Hubertusberg. Wie in vielen Eifel Dörfern bildet die Dorfkirche den Mittelpunkt. Sie prägt nicht nur das Ortsbild schon von weit her, sondern ist Zeugnis der Geschichte, auch der Geschichte des Ortes selbst.
Das zweite Gotteshaus wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Das geschah sicher im Jahre 1498; darauf deutet ein Prozeß mit der ehemaligen Filialkirche Wetteldorf wegen eines zu leistenden Beitrages für die Pfarrkirche Rommersheim, Ansicht von Südosten
Mutterkirche hin.
Die Urkunden, die das Baujahr genau bezeugen, gibt es nicht mehr. Diese wurden bei dem großen Pfarrhausbrand des Jahres 1774 mit vielen anderen restlos vernichtet.
Von dem ursprünglichen Bau steht heute noch das Schiff, das von einer anspruchslosen Zeit zeugt. Behauene Steine finden wir lediglich außen an den drei Strebepfeilern auf jeder Seite und an den Fenstern. Die heutige dritte Kirche erwähnt das Visitationsprotokoll von 1570. Als Patrone der Kirche werden der hl. Maximinus und der hl. Hubertus genannt. Letzterer wurde im Spätmittelalter besonders hochverehrt, wurde aber nach der Inkorporation mit dem Kurstaat Trier (1576) von Maximinus, der ein Trierer Bischof war, mehr und mehr verdrängt.
2. Das Kirchengebäude
Die Baupflicht des Gotteshauses ergab sich aus den Zehntverhältnissen. Nach Vereinigung der Mutterkirche Rommersheim mit dem Kloster Niederprüm erhielt die Äbtissin ein Drittel des Zehnten und war dafür verpflichtet das Chor zu bauen und zu erhalten. Der Abt des Prümer Klosters bzw. später der Trierer Kurfürst waren für die zwei Drittel des Zehnten für das Schiff der Pfarrkirche zuständig. Der Bau und die Erhaltung des Kirchturms war Aufgabe der Pfarrei. Heute muss die Pfarrgemeinde alle Lasten tragen, wenn sie ihr Gotteshaus in Ordnung bringen will, wozu das Bistum Trier jedoch Substanz erhaltende Maßnahmen bezuschusst.
Während der Reformationszeit, die für unser Gebiet 150 Jahre dauerte, im 30-jährigen Krieg und den danach folgenden Eroberungskriegen Ludwig des Vierzehnten bis zum spanischen Erbfolgekrieg (1701 - 1714) wechselte die Pflegschaft der Kirche oft. 1535 und 1621 waren Schäden am Chordach entstanden. Der Altar war so feucht, daß die Hostie der Monstranz kaum einen Tag gerade blieb und nach acht Tagen schimmelte. 1640, 1656 und 1668 verlangte der Visitator die Reparatur des baufälligen Schiffes durch den Trierer Kurfürsten. 1652 war der Hochaltar entweiht. 1712 befand sich der Kirchturm in einem schlechten Zustand, so daß es hineinregnete. 1804 drohte der hohe Westturm einzustürzen. Schließlich wurde er 1817 völlig abgetragen und in der alten Form wieder aufgebaut. Um Kosten zu sparen, leisteten die Pfarrangehörigen alle Nebenarbeiten in der Fronarbeit: Bäume schlagen, Steine brechen, Kalk brennen, Sand graben und das Baumaterial anfahren. Wegen der hohen Teuerung des Jahres 1817 bekam jeder Fronarbeiter 0,50 Fr. aus der Kirchenkasse. Beim Abbruch des Turmes im gleichen Jahre ging die Hausfron für Kost und Logis der Facharbeiter achtmal um. Bis zum Aufschlagen und Fertigstellen des Turmes im folgenden Jahre kam jede Familie der Pfarrei 16 mal an die Reihe. Die Maurerarbeiten führte Johann Hormann aus Kyllburg für 258 Reichstaler aus.
1855 wurde die Empore vergrößert und 1923 erhielt die Kirche eine elektrische Beleuchtung. Die zu klein und feucht gewordene Kirche wurde 1928-29 durch ein Querschiff erweitert. Dabei wurde der Altarraum mit der Sakristei um mehr als sechs Meter weiter nach Osten verlegt und zwischen dem alten Schiff und Altarraum ein neues Querschiff eingesetzt. Dombaumeister Wirtz aus Trier hat mit der Bauweise seiner Zeit dem früheren Stile Rechnung getragen, um so die neue und alte Kirche miteinander zu verbinden. Auf Sancta Magdalena 1928 wurde der Grundstein gelegt und bereits am 23. Dezember des folgenden Jahres fand die Einsegnung der erweiterten Kirche statt.
Seitdem hat die Pfarrkirche einen kreuzförmigen Grundriss, der symbolisch ist und auf das Sterben Christi am Kreuze hindeutet. Ein Jahr später 1930 wurde die Heizung in der Kirche, ein Geschenk der drei Ortsgemeinden, in Betrieb genommen.
3. Die Baubeschreibung
Äußeres:
Das Bauwerk wurde als einschiffige spätgotische Kirche mit quadratischem Chor im Jahre 1498 errichtet. In das schlicht geputzte Bruchsteinmauerwerk sind auf der Südseite spitzbogige Fenster eingeschnitten. Die Nordseite des Schiffes hat offenbar wegen der strengen Eifel Winter nur ein Fenster. Der dreigeschossige Westturm hat eine achtseitige Schieferpyramide. Der Fuß und das Portal des Turmes sind mit Hauwerk, das übrige Mauerwerk mit gewöhnlichen Bruchsteinen ausgeführt, jedoch sind die drei Gesimse von Sandsteinhauwerk durchzogen.
Inneres:
Maße der Kirche bei Erbauung:
Turm 4,27 m breit, Schiff 6,50 m breit, Turm und Schiff: 19,43 m lang. Chor 6,15 m breit und 5,60 m tief.
Maße nach der Vergrößerung:
Turm 4,27 m breit, Schiff 6,50 m breit, Querschiff 16,75 m breit, Turm, Schiff und Querschiff 26,49 m lang, Chor 5,97 m breit und 6,15 m tief. Hauptportal: 1,61 m breit und 2,50 m hoch.
Die zweigeteilten Eingangstüren des Querschiffes wurden 1986 durch neue aus massivem Eichenholz ersetzt und alle Eingangsnischen durch Windfangtüren abgetrennt. Das dreijochige Schiff hat ein spitzbogiges Tonnengewölbe, das durch spätgotische Rippen und Gurte aufgeteilt ist.
Das Gewölbe ist mit echten Schlußsteinen und vielen teils kuriosen Wappentellern ausgestattet, deren ursprüngliche Wappen sicherlich übermalt sind. Ein gotischer Hausteinbogen, der auf zwei quadratischen Sandsteinpfeilern ruht, öffnet den Chor. Das frühere wertvolle Sterngewölbe des Chores ist genau in den alten Dimensionen in die 1928/1929 errichtete Chordecke wieder eingebaut worden.
4. Besonderheiten
Hochaltar: Der hölzerne Hochaltar ist nur wenig älter als die seitlichen Abschlußwände mit Türen. In einer der Füllungen steht die Jahreszahl 1738. Es ist ein Säulenaltar mit flachen Muschelnischen und vielfach verkrümmtem Gesims. Den seitlichen Abschluß bilden Ranken mit Sonnenblumen, getragen von Engeln, die in den Ranken stehen. Der Aufbau wiederholt das Motiv des Unterbaues.
Der Barockaltar ist wieder neu erstanden und in seinen schadhaften Teilen ausgebessert worden. Die Hauptnische trägt die von Pastor Müller 1959 renovierte Statue des Kirchenpatrones St. Maximinus, die obere Nische die Statue des hl. Sebastianus. (Stein 1,10 m, altbarock) Auf den Abschlußwänden stehen die Statuen des hl. Stephanus und der hl. Katharina (beide Holz, 1,10 m groß von Pastor Müller 1959 geschnitzt).
Der Marienaltar mit dem Holzschnitt der hl. Familie steht auf der linken Seite, über ihm steht die Madonna mit dem Kind auf Schlange und Erdapfel (Holz;
1, 60 m), eine Familienstiftung von 1955, die in Oberammergau geschnitzt wurde.
Der alte Taufstein aus Sandstein, der nach Dechant Kandels schon in der früheren Kirche gestanden hat, befindet sich jetzt in der Mitte der rechten Chornische der heutigen Taufkapelle. Dahinter an der Wand ist ein altes Steinkreuz eingelassen mit den alten Steinfiguren Maria und Johannes (um 1500; 0,76 m groß) zu beiden Seiten.
Die Kommunionbank von 1717 dient heute als Brüstung auf der Empore.
Die eindrucksvolle Kanzel fand bei der Innenrenovierung 1985 an neuer Stelle Aufstellung, die ihr reiches und schönes Schnitzwerk besser zur Geltung kommen lässt.
Sie ist in ihren Motiven größtenteils der Prümer Steinkanzel entnommen und von dem Prümer Meister Rück 1834 geschnitzt worden. Drei Jahre lang hat er an dem Predigtstuhl gestochen und dafür jährlich 100 Taler erhalten.
Der Beichtstuhl aus dem 18. Jahrhundert mit schönem Rokokoschnitzwerk wurde zur Zeit der Innenrenovierung der Kirche von dem einheimischen Schreiner Klaus Krämer stilecht restauriert.
Die Steinfiguren Petrus und Paulus wurden an der Westseite, Hubertus, der bis zur Kirchenerweiterung auf dem rechten Seitenaltar gestanden hatte, wurde an der Nordwand des Querschiffes angebracht. (alle Figuren 1 m groß) Eine aus Holz geschnitzte Pieta von 1929 und eine Herz-Jesu-Statue fanden Aufstellung in der neuen Kirche.
An der Nordwand des Schiffes erinnert ein großes Kreuz an die Volksmissionen von 1935 und 1954.
Die Holzfiguren, den Tod des hl. Joseph darstellend, 1930 von der Firma Walter aus Trier geliefert, die zuerst den rechten Seitenaltar des Heiligen zierten, befinden sich neuerdings in der Leichenhalle neben der Kirche.
Das heutige Kirchengestühl wurde 1954 von dem Rommersheimer Schreiner Wilhelm Berens angefertigt.
Orgel: Die klangvolle Orgel geht auf ein Werk des Orgelbauers Johannes Klais, Bonn, zurück. Sie stand zuerst in der Kirche zu Giesenkirchen, Diözese Köln. Auf Mariä Empfängnis 1932 führte sie Pastor Raber aus Trier in einem meisterlichen Spiel vor. 1975 wurde sie durch ein Register erweitert und völlig neu überholt.
Glocken: Die Pfarrkirche besaß schon immer ein Geläute von drei Glocken. Die heutigen Stahlglocken, eine Stiftung der drei Zivilgemeinden, lieferte die Gußstahlfabrik in Bochum zum Gesamtpreis mit Zubehör von 5.580 DM. Auf Palmsonntag 1950 wurden sie feierlich eingeweiht. Die Stahlglocken haben ohne Zubehör ein Gewicht von 1.400 kg und die Töne fis' - a' - h' (Te Deum - Motiv). Die lateinischen Inschriften ins Deutsche übertragen lauten:
1. Christ-Königs-Glocke (Ton fis'): "O Christus König, verleihe, daß alle unsere Familien sich Deiner so milden Herrschaft unterwerfen!"
2. Marien-Glocke (Ton a'): "O Maria, Trösterin der Betrübten, Pforte des Himmels, bitte für uns!"
3. Den Patronen unserer Kirche geweiht (Ton h'): "Heiliger Maximinus, Hubertus, Johannes, Sebastianus, bittet, daß uns nicht bedrohen Blitz und Ungewitter, Pest, Hunger und Krieg!"
Die neue Lourdesgrotte an der Nordseite der Pfarrkirche, ein Werk von Pastor Müller, wurde auf Mariä Empfängnis 1951, eingeweiht. Die vier gestifteten Holzfiguren der Grotte kommen aus der Werkstätte des Bildhauers Walter, Trier. Seit 1929 standen sie in der Eingangsnische des rechten Querschiffes.
Die pietätvolle Gefallenenkapelle zwischen Leichenhalle und Lourdesgrotte beherberg die Ölberggruppe, Christus und Engel, beide aus Holz.
5. Die Renovierung der Kirche
Nach dem letzten Kriege 1945 erfolgten immer wieder Instandsetzungen, die mit der Umgestaltung des Chorraumes 1970 und mit dem Einbau des Volksaltares ihren vorläufigen Abschluß fanden. Hierbei kam das unter dem Hochaltar aufgefundene Antependium von 1500 mit Bildern der hl. Dreifaltigkeit und des hl. Maximinus wieder voll zur Geltung. Während der Amtszeit von Pastor Egon Kettern faßten Pastor und Verwaltungsrat den Entschluß zur intensiven Restauration, die nach liturgischen und denkmalpflegerischen Grundsätzen durchgeführt und vom Bischöflichen Generalvikariat zu Trier gebilligt wurde. Es sollten fast 20 Jahre vergehen, bis die Baumaßnahmen alle ausgeführt und sich Mitte der neunziger Jahre ein Kirchlein präsentierte, das sehenswert ist.
Die Freude aller Gläubigen in der Pfarrei Rommersheim war an Pfingsten 1991 groß, denn die Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche war gelungen, im wesentlichen abgeschlossen, und die Pfarrkirche zeigt sich zum 500-jährigen Jubiläum 1998 im neuen Glanz.
Die Außenrenovierung: Sie begann noch während der Amtszeit von Pastor Kettern. Das Kirchendach wurde neu mit Schiefer gedeckt und die Fenster durch neue ersetzt. Im Jahre 1990 erfolgte der Sanierputz und danach der Außenanstrich der Kirche durch die Firma Kremer aus Dasburg. Ein Jahr später wurde das Turmdach mit Schiefer neu gedeckt, das Turmkreuz erneuert, der Kirchhahn repariert und vergoldet.
Die Innenrenovierung: Was wurde renoviert? Begonnen hatte die Verschönerungs- und Erhaltungsmaßnahme der Pfarrkirche mit dem Entfernen des alten morschen Fußbodens und des Fliesenbelages. Zuerst wurde eine neue isolierte Bodenplatte aus Beton hergestellt. Das geschah im Spätsommer 1985. Daran schloss sich die Isolierung des Mauerwerkes an. Im März 1986 folgte dann die Verlegung des Fliesenbelages und der Einbau eines massiven Eichenparketts in Eigenleistung und der Einbau einer neuen elektrischen Anlage einschließlich der Lampen. Um dem Innenraum ein frisches und farbiges Aussehen zu verleihen, schlossen sich die Anstreicherarbeiten mit Mineralfarben an. Die künstlerische Gestaltung des Innenraumes führte Restaurator Wurmdobler aus Erbes - Büdesheim bei Alzey aus. Als Vorlage galt ihm ein auf der Empore freigelegtes Farbmuster mit Distelranken, das mehrfach überstrichen war. Dieses Farbmuster war auch die Grundlage für zwei schöne Wollteppiche im Chor, die eine Familie der Pfarrei geknüpft hat. Den Abschluss der Innenrenovierung bildete die Erneuerung der Lautsprecher - und Liedanzeigeranlage. Die Baumaßnahme leitete Architekt Christoph Becker von der Rommersheimer Held.
Alle Pfarrangehörigen, insbesondere Planer, Handwerker und die verantwortlichen Gremien der Pfarrei dürfen voll Stolz auf die geleistete Arbeit zurückschauen.
So ist in den letzten Jahrzehnten, wenn man das so sagen will, eine neue Kirche entstanden, die gewiss sehenswert ist für den, der einen Augenblick Zeit für die "Kostbarkeiten abseits der schnellen Straßen" aufbringen möchte.
Quelle: Chronik der Pfarrei St. Maximin und der Gemeinden Giesdorf und Rommersheim





